Iran Cruise 2019



P r o l o g



"Was willst Du? Bist Du verrückt? In den Iran? Mit dem Motorrad? ... Die sprengen Dich in die Luft! ..."

Das war noch eine der harmlosen Reaktionen auf meine nächste Reiseplanung. Wie kommt man darauf, in ein Islamisches Land zu fahren, das zur "Achse der Bösen" gehört? Es schwirren Begriffe wie Bombengürtel, Mullahs, Kopftücher, Menschenrechte, Unterdrückung, Todesstrafe, Terrorgruppen und ähnliches durch den Raum. Der Iran ist eines der Länder, von denen man viel Negatives hört. Das spiegelt sich in der Reaktion von Freunden und Bekannten wieder, denen man vorsichtig von seinen Reiseplänen erzählt. Soll man in ein Land reisen, in dem Freiheit und Demokratie - so wie sie bei uns definiert wird - eingeschränkt ist? (Wobei ich mittlerweile der Meinung bin, das man auch bei uns nicht mehr alles sagen oder kritisch hinterfragen darf, ohne von Moralisten in die Schlimmste aller Ecken gestellt zu werden).

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Bild © Wheel of India

Im Dezember 2018 lag eine Beilage in der Zeitschrift "Tourenfahrer". Der Veranstalter "Wheel of India", Spezialist für Reisen auf Royal Enfield Motorrädern in deren Herstellungsland Indien, bot seine erste Rundreise im Iran an. In der Vergangeheit hatte ich in Reiseberichten viel Positves abseits von allen verbreiteten Klischees gelesen. Selber Er"fahren", sich seine eigene Meinung bilden, ohne Vorurteile auf Menschen zugehen - so bin ich bisher immer Unterwegs gewesen. Nochmal Überdenken, mit der Partnerin besprechen, Zeitraum prüfen ... und am nächsten Morgen hatte ich dann Günter "Günni" Schiele von "Wheel of India" am Telefon. Meine Bedenken waren schnell ausgeräumt. "Ja - ich will!" ... selbst meine Frau konnte mich nicht davon abhalten, kennt Sie doch meine Neugier und Reiselust und noch am gleichen Tag erfolgte meine Anmeldung.

Für den Iran stehen natürlich als Erstes die strengen, religiös begründeten Regeln, aber auch für die Kulturgeschichte der Perser, seine UNSECO-Welterbestätten, grandiose Landschaften, Skigebiete, Wüsten und seine gastfreundlichen und herzlichen Menschen. Gerne schaue ich mir auf meinen Reisen Christliche Kirchen und Kathedralen, Jüdische Synagogen, Buddistische Tempel, Shinto-Schreine oder jetzt eben auch Muslimische Moscheen an. Religiöses liegt mir generell fern, jeder soll mit seinem Glauben glücklich werden. Ich akzeptiere jeden, an was auch immer er glaubt, sofern er mir nicht seine Weltsicht "aufschwatzen" will. Religion ist etwas persönliches, sie sollte privat stattfinden.

Sobald aber "Glaubenskriege" z.B. um ein Kopftuch im öffentlichen Raum, Ehe mit mehreren Frauen, das Fordern von Rücksicht auf kulturelle Eigenheiten wie Frauenschwimmen im Burkini oder die Anwendung religiöser Gesetze in meiner deutschen Kultur stattfinden, sind meine Grenzen erreicht. Bin ich in einem fremden Land, habe ich Kultur, Sitten und Regeln einzuhalten und verhalte mich als Gast. Will ich in ein fremdes Land migrieren, so habe ich mich dort anzupassen, zu assimilieren. Der Impuls muss vom Gast kommen, das Gastland kann Hilfestellungen geben. Dabei muss der Zugereiste nicht einmal die eigene Kultur verleugnen. Bereicherung bringt jeden weiter. Aber: "Wir" müssen aber Niemand "integrieren". --- Ich werde die Regeln der Islamischen Republik Iran respektieren. Ach ja ... bevor mir jemand vorwirf, ich sei "fremdenfeindlich": Der Iran ist mein 42. Reiseland, zusammengezählt habe ich auf meinen vielen Reisen rund fünf Jahre im Ausland verbracht.

Ich freue mich auf neue Erfahrungen, Erlebnisse, Eindrücke, Menschen. Es kann losgehen ...

UNESCO-Welterbestätten im Iran


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